Drei Statements zu mehrsprachigen Webauftritten
1. Ohne softwaregestützte Lokalisierung und Übersetzungsmanagement geht es nicht
Es ist noch gar nicht so lange her, da begnügten sich viele mittelständische Unternehmen damit, ihre Website genau einmal im Jahr zu aktualisieren, um ihre Produktpräsentationen und Produktdaten auf den neuesten Stand zu bringen. Der Termin dafür: kurz vor der wichtigsten Messe im Jahr. Oft war es dann auch noch die Webagentur, die diese jährliche Aktualisierung einzupflegen hatte. Heute nutzen zwar doch die meisten Unternehmen für ihre Webauftritte Content Management Systeme und gewinnen so eine gewisse Autarkie – was aber trotz CMS oft unverändert problematisch bleibt, ist das Management der diversen Sprachversionen. Bietet ein Unternehmen seinen Kunden mehr als nur eine deutsche und eine englische Variante – heute durchaus der Minimalstandard –, werden die Dinge sehr schnell sehr komplex. Ohne einen automatisierten Workflow für die Lokalisierung und ohne Lösung für das Übersetzungsmanagement – beides so eng wie möglich in das CMS integriert – kommen Unternehmen, die einen pan-europäischen oder gar den Weltmarkt bedienen, nicht mehr zurecht. Die simpelsten technischen Grundlagen der Lokalisierung erfüllen heute sehr viele CMS: die Darstellung aller Unicode-Zeichensätze nämlich, die exotischeren wie Kyrillisch, Hebräisch oder Chinesisch eingeschlossen.
2. Den Lokalisierungs-Workflow im Content Management System definieren
Zunächst muss sich ein Unternehmen darüber klar werden, welche Seiten aus der deutschsprachigen Master-Site überhaupt lokalisiert werden müssen. Wenn ich in meinem Sortiment von Agrarmaschinen etwa auch Weinlesemaschinen verkaufe, macht eine Lokalisierung der Information für meine italienischen und spanischen Websites noch Sinn, aber über die russische Site verkaufe ich vielleicht ausschließlich Mähdrescher. Welche Produktbeschreibungen und Produktdaten sind also überhaupt für welchen Markt wie zu lokalisieren? Im Idealfall ist der unternehmensspezifische Lokalisierungsworkflow im CMS hinterlegt und wird dort gemanagt und überwacht: so definiert ein Unternehmen nicht nur, wie die Inhalte in die diversen Länder fließen, es erfährt über Reporting-Funktionen auch, welche Lokalisierungen abgeschlossen sind und welche noch ausstehen. Es wäre für ein Unternehmen allerdings etwas naiv zu glauben, man könne einfach ins CMS-Regal greifen und den eigenen, unternehmensspezifischen Lokalisierungs-Workflow ohne weiteres in einer Standardsoftware abbilden. Eine geeignete Lokalisierung ist eben kein Standardprozess und benötigt oft doch viel Beratungs- und mitunter auch Anpassungsaufwand. Wichtig ist es auch, schon im CMS über ein sinnvolles Abhängigkeits- und Variantenmanagement zu verfügen: wie viele Stellen meiner Website sind überhaupt betroffen, wenn ich eine bestimmte Information ändere oder aktualisiere? Welche Abhängigkeiten gibt es für jeden einzelnen Fall?
3. Ein unternehmenseigenes Übersetzungsmanagement steigert die Effizienz
Ein zentrales Element jeder Lokalisierung ist natürlich die Übersetzung. Es sind außerhalb des eigentlichen CMS diverse Übersetzungsmanagement-Systeme erhältlich, die übrigens auch bei den professionellen Übersetzern selbst im Einsatz sind. In vielen Fällen kann es für ein Unternehmen sinnvoll sein, dieses Übersetzungsmanagement-System gleich selbst zu betreiben, als Add-on zum eigenen CMS, und selbst in den Genuss der damit möglichen Effizienzsteigerung zu kommen. Gerade wenn ein Unternehmen sehr viel mit externen Übersetzern arbeitet, ergeben sich oft sehr unschöne Medienbrüche. Wenn der Textaustausch etwa in Form der E-Mail angehängten Word-Datei stattfindet, ist die Gefahr natürlich groß, dass im CMS plötzlich Word-Steuerungszeichen auftauchen, die da nicht hingehören oder auch Tabellen im CMS nach der Übersetzung völlig falsch dargestellt werden. XML als Austauschformat mit den externen Übersetzern zu nutzen, ist da so etwas wie die Minimalanforderung. Was die Übersetzungsmanagement-Systeme für Unternehmen aber so sinnvoll macht, ist ihre Datenbank, die Translation Memory des Unternehmens. Verbindliche unternehmenseigene Wörterbücher in den verschiedenen Sprachen sorgen für eine einheitliche und immer korrekte Taxonomie. Solch eine einmal definierte Taxonomie für die Fachbegriffe eines Unternehmens stiftet gegebenenfalls einen Zweitnutzen bei der Anpassung und Lokalisierung technischer Dokumentationen. Zudem führt die Translation Memory, die Datenbank mit bereits geleisteten Übersetzungen von Texten und Textbausteinen, zur Kostenreduktion: das Unternehmen muss redundante, wiederholte Übersetzungen derselben Textpassagen kein zweites Mal zahlen.

