Suchmaschinenoptimierung für Content Management Systeme

Bei der Suchmaschinenoptimierung für Content Management Systeme (CMS) gibt es, anders als bei klassisch in HTML umgesetzten Webseiten, zusätzliche Besonderheiten. Einerseits gelten dieselben Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung (SEO), andererseits sind bei einem CMS viele Einstellungen fest verankert und müssen global für alle Seiten definiert werden. Grundsätzlich haben Content Management Systeme heutzutage von Haus aus viele suchmaschinenoptimierte Funktionen. Bekannte Systeme wie Typo3, Joomla oder FirstSpirit, bieten in den aktuellen Versionen eine Vielzahl an Einstellungen, die eine direkte suchmaschinenoptimierte Umsetzung ermöglichen. Zusätzlich gibt es viele Extensions, die weitere Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung ausschöpfen und die Technik der Website verbessern.

Doch worauf kommt es wirklich an? Beginnen wir mit den wichtigsten Merkmalen eines gut optimierten CMS, den sprechenden URLs. Diese sind heutzutage unumgänglich. Weder Suchmaschinen noch Nutzer verstehen kryptische Darstellungen wie „/index.php?id=5678“, wo hingegen eine URL wie „/cms-seo.html“ ganz eindeutig auf den Inhalt einer Seite hinweist. Einige CMS bieten in ihren Einstellungen die Möglichkeit, sprechende URLs automatisch zu aktivieren. Außerdem empfehlen sich Erweiterungen, wie beispielsweise die RealURL-Extension für Typo3, wodurch zusätzlich auch vernünftige Weiterleitungen realisiert werden können. Warum sind diese so wichtig? Beispiel: Ein Gewinnspiel läuft ab. Die veraltete Seite wird oft einfach aus dem System genommen. Idealerweise wird dies vom CMS automatisch erkannt und eine 301-Weiterleitung (permanent redirect) gesetzt. Geschieht dies nicht, geht die Linkpower, die auf der Seite durch externe Verlinkung entstanden ist, verloren. Wird eine Weiterleitung geschaltet, laufen die externen Links nicht ins Leere, die Linkpower wird weiterhin vererbt und außerdem landen die Besucher nicht auf einer Fehlerseite.

Viele Einstellungen in einem CMS lassen sich suchmaschinenoptimiert automatisieren. Es gibt jedoch einige Aspekte, die sich nicht automatisch vom System lösen lassen. Hierzu zählt die Vergabe des Title-Tags und das Ausfüllen der Description mit den entsprechenden Keywords. Geschieht dies nicht, wird viel SEO-Potential verschenkt. Aus diesem Grund sollten Redakteure/Autoren einer Website auch im Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung geschult werden. Wenn die Autoren wissen worauf zu achten ist, vereinfacht dies den Prozess der Suchmaschinenoptimierung immens.

Worauf müssen Designer und Webdeveloper bei Gestaltung und Umsetzung achten? Schon bei der Planung einer Website sollten sie die Suchmaschinenoptimierung immer im Blick behalten. Gerne wird auf der Startseite mit Bildwelten gearbeitet und es bleibt zu wenig Platz für Text. Optisch wunderbar, aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung jedoch fatal, denn optimierter Text ist eines der wichtigsten Kriterien für gute Platzierungen. Die spätere Umsetzung des Designs bildet die nächste größere Hürde. Worauf muss ein Webdeveloper bei der Umsetzung unter anderem achten? Der Quelltext des CMS muss fehlerfrei und möglichst kompakt sein. Hierfür bietet es sich an, Javascript und CSS auszulagern. Auch die Platzierung des Inhaltes im Quelltext ist entscheidend. Oft steht der Text einer Webseite im unteren Bereich vom Quelltext, dieser sollte jedoch möglichst weit oben stehen. Die Suchmaschinen stufen Inhalte, die im oberen Bereich des Quelltextes stehen, relevanter ein. Die Wichtigkeit nimmt nach unten hin ab.

Des Weiteren spielt die Gestaltung der Überschriften eine entscheidende Rolle. Überschriften werden mit dem sogenannten -Tag versehen. Der Entwickler sollte diesen Tag aber nur dort einsetzen, wo er Sinn macht: Bei den Überschriften im Inhalt! Überschriften wie „Suche“, „News“ oder „Katalog bestellen“, die oft in der Sidebar vorkommen, sollten am besten nur per CSS gestaltet werden.

Bilder, die in ein CMS hochgeladen werden, erhalten oft eine automatische Größenanpassung und werden vom CMS unter einem neuen Namen abgelegt. Wie bei den URLs ist es jedoch wichtig, dass die Bildnamen „sprechend“ benannt werden, denn die Suchmaschinen werten diesen Text ebenfalls aus. Neben dem Bildnamen, gilt es auch den Title und Alt-Tag des Bildes zu definieren. Dies lässt sich manuell pflegen. Unternehmen haben jedoch auch die Möglichkeit, die Felder automatisch vom CMS füllen zu lassen. Das System sucht dann nach häufig genutzten Keywords in Überschriften und dem Inhalt der Seite. Füllwörter wie „der, die, das, wir, etc.“ sollten bei diesem Verfahren als Negativ-Wörter definiert und somit vom CMS ausgeklammert werden.

Die interne Verlinkung ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt. Oft sieht man bei Firmenseiten, die per CMS umgesetzt wurden, dass kurze Texte auf der Startseite die verschiedenen Themenfelder des Unternehmens anteasern. Anschließend folgt der Link zu der entsprechenden Unterseite. Oft fehlt hier eine – aus SEO-Sicht – korrekte interne Verlinkung. Wichtig ist, dass die mit Keywords gefüllte Überschriften oder Keywörter aus dem Text verlinkt werden; nicht einfach nur das Wort „mehr“ oder „weiter lesen“. Google wird über den Linktext die Information gegeben, welches Thema auf der nächsten Seite aufgegriffen wird. An dieser Stelle verspielen die Unternehmen oft die Chance, suchmaschinenoptimiert zu handeln. Natürlich kann auch unter dem Text ein verlinktes „mehr“ oder „weiter“ stehen. Wichtig ist dann aber, dass die mit Keywords gefüllte Überschrift zusätzlich verlinkt wird und sie im Quelltext über dem „mehr“-Link zu finden ist. Gleiches gilt für Bilder. Gerne werden zu dem Teaser-Text verlinkte Bilder eingebaut. Da für Google aber nur der erste Link zu einer Unterseite relevant ist, sollte dieser im Quelltext stets die verlinkte Überschrift sein. Schon beim Design und der darauf folgenden Umsetzung des CMS sollten diese Aspekte zum Thema interne Verlinkung bedacht werden.

Ein CMS hat den Vorteil, Inhalte relativ einfach duplizieren zu können. Aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung kann dies jedoch kontraproduktiv sein. Folgendes Beispiel findet sich häufig in der Praxis: Eine Firma möchte unterschiedliche Zielgruppen mit Ihrer Website ansprechen. Der Nutzer kann beispielsweise zwischen den Punkten „Privat-“ und „Geschäftskunde“ auswählen. Ein Großteil der Informationen unterscheidet sich. Es gibt jedoch oft Inhalte, die absolut identisch unter beiden Punkten dargestellt werden. Hierdurch entsteht doppelter Content, der von den Suchmaschinen nur ungern gesehen wird. Eine Lösung wäre an dieser Stelle die Verwendung des „canonical-Tag“. Dieser Verweis erläutert den Suchmaschinen, welche Seite „die Richtige“ ist. Eingehende Links werden weiter vererbt und nur die als relevant gekennzeichnete Seite ist im Google Index zu finden.

Unternehmen können unterschiedliche SEO-Extensions für ihr CMS einbauen. Es gibt für Content Management Systeme viele gute und kostenlose Extensions, wie beispielsweise für die Erstellung von Google Sitemaps. Diese ist besonders für tief verschachtelte Webseiten sinnvoll, da sie Google das crawlen der Seite erleichtert. Auch Extensions, die automatisch PDFs oder Druckansichten erzeugen, haben ihre Daseinsberechtigung. Hierbei ist aber wichtig, dass die entstehenden Druck- bzw. PDF-Seiten per robots.txt vom System ausgeschlossen werden, um keinen doppelten Content zu erzeugen. Je nach CMS und Anforderungen an die Website muss individuell geschaut werden, welche Extensions Sinn machen.

Suchmaschinenoptimierung ist keine einmalige Handlung, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Das Webcontrolling als Analysewerkzeug ist dabei unersetzlich, um Nutzerverhalten auf den Seiten des CMS zu analysieren und Zugriffsdaten auswerten zu können. Erst eine korrekte Auswertung des Traffics gibt Aufschluss über den Erfolg der umgesetzten SEO-Maßnahmen. Des Weiteren ergeben sich bei der Analyse neue Handlungsempfehlungen zur weiteren Optimierung.

Referent: Timm Becker
Der Diplom Medienwirt arbeitet als Online Marketing Manager bei der Nionex GmbH, einem Unternehmen der Bertelsmann AG. Dabei unterstützt er Unternehmen in den Bereichen SEO, SEM sowie Webcontrolling. Als Full-Service-Dienstleister entwickelt Nionex umfassende und professionelle Lösungen in allen Bereichen moderner Kommunikation im Internet. Nionex ergänzt die Leistungen eines klassischen IT-Dienstleisters mit dem Leistungsportfolio einer Internetagentur und bietet Ihnen perfekte Lösungen für Kommunikation und Interaktion in Marketing- und Vertriebsprozessen.

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